Zwei Ereignisse standen bei der Gründung der Militärkanzlei für Traditionsregimenter, Bürger- und Schützenkoprs auf dem Territorium der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarschie (kurz: Militärkanzlei für Traditionsregimenter oder Militärkanzlei Wien oder MK) Pate:

  1. Die Beisetzung von Kaiserin-Königin Zita in Wien am 1. April 1989 und
  2. Der Fall des Eisernen Vorhangs im Herbst 1989 und damit  die Wiederanbindung der ostmitteleuropäischen Staaten an das freie Europa.

Alexander Sixtus von Reden, der 1987 das Buch „Oberösterreichs heimliche Regimenter – Die Bürger- und Schützenkorps von der Gründung bis zur Gegenwart“ herausbrachte und seit 1988 Obmann des Bürgerkorps Ried im Innkreis ist, organisierte den militärischen Teil der Beisetzung Kaiserin Zitas, an der rund 1400 Bürgergardisten aus ganz Österreich sowie Tiroler Schützen beteiligt waren.
Bereits während der Arbeit an genanntem Buch und im Zuge der Vorbereitungen der Beisetzung entstanden zahlreiche Kontakte zum österreichischen Bürger- und Traditionsmilitär.

Seit 1986 war überdies bekannt, daß auch in der damals noch kommunistischen Tschechoslowakei altösterreichische Traditionsregimenter bestehen, die angesichts des herrschenden Regimes quasi im halblegalen Terrain existierten. 1988 fand das erste internationale Husarentreffen in Budapest statt, wodurch man mit entsprechenden Gruppen in Ungarn in Kontakt kam. Der erste Besuch in der damaligen Tschechoslowakei fand im August 1989 in Austerlitz statt, knapp vor dem Fall des Kommunismus. Ein weiterer dann im Dezember des selben Jahres, bereits in Freiheit.

In der Folge kam es zu zahlreichen Neu- und Wiedergründungen von Bürgerkorps und Traditionsregimentern in Tschechien, der Slowakei, in Ungarn, Polen (Galizien), Slowenien, Italien (Süd-Tirol,Triest, Görz) sowie zu Kontakten mit kroatischen Bürgerwehren.

Gleichzeitig wurden auch in Österreich zahlreiche Bürgerkorps und Traditionsregimenter reaktiviert, verteilt auf sämtliche Waffengattungen (Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Marine). Derzeit existieren auf genanntem Territorium einschließlich historisch uniformierter Musikkapellen rund 250 Einheiten mit etwa 15.000 Mitgliedern.

Somit ergab sich die Notwendigkeit einer zentralen Kontakt- und Koordinationsstelle über die Grenzen hinweg. Daher wurde auf Initiative des Kommandanten des 1989 gegründeten Dragonerregiments No 3 „König von Sachsen“, Oberst iTR Herbert Fallwick ebenfalls in diesem Jahr die Militärkanzlei gegründet, benannt nach der einstigen Verbindungsstelle zwischen kaiserlichem Hof und k.u.k. bewaffneter Macht. Mit der Leitung wurde der damalige Major iTR Alexander Sixtus von Reden betraut.
1993 wurde die MK schließlich als Verein angemeldet und strukuiert und zwar wie folgt:

  1. Präsidium (Vorstand, zwei Stellverteter, Kabinettchef und Rechnungsoffizier)
  2. Expositurleiter in den ehemaligen Kronländer-Hauptstädten
  3. Vertreter der Landesverbände von Traditionseinheiten
  4. Spezialisten für Waffengattungen sowie Dokumentation und Verbindungsoffiziere.
  5. Die überwiegende Anzahl der Mitglieder sind Angehörige bestehender Traditionseinheiten.

Im Sinne der gemeinsamen mitteleuropäischen Geschichte stellen sich die Aufgabe und Ziele der MK folgendermaßen dar:

  • Koordination und Veranstaltungsorganisation für mitteleuropäischen Traditionseinheiten, Hilfeleistung bei Beschaffung von Montur, Ausrüstungsgegenständen und historischen Quellen.
  • Intensive Pflege der Freundschaft und des Verständnisses unter den ehemaligen Völkern Österrreich-Ungarns, auch auf ziviler und kultureller Ebene. Strikte Ablehnung von jeglicher Form des Nationalismus.
  • Organisation von zumindest zwei eigenen Großveranstaltungen, eine davon im Rahmen der jährlich stattfindenden Generalversammlung (Jahreshauptrapport), zumeist in diversen Kronländern mit militärhistorischem Rahmenprogramm.
  • Militärhistorische Forschungen und Publikationen.
  • (Wieder)aufstellung bzw. Restaurierung militärhistorischer Denkmäler (z.B. Löwe von Lissa, Maria Theresien- Denkmal in Wien).
  • Verwirklichung von Sozialprogrammen im Rahmen von Veranstaltungen (z.B. Förderung des Fremdenverkehrs auf der Insel Lissa/Vis in Kroatien oder Buchspenden für das Gymnasium von Brody in Galizien/Ukraine).
  • Pflege der Beziehungen zum österreichischen Bundesheer sowie zu den Armeen Ungarns, Tschechiens, Polens, der Ukraine, Kroatien etc.

Die „Militärkanzlei für Traditionsregimenter, Bürger- und Schützenkorps auf dem Territorium der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie“ wurde 1989 in Wien gegründet und 1993 in Regau als Verein konstituiert. Benannt nach der Verbindungsstelle zwischen dem Kaiser und der k.u.k. Armeeführung, wurde die neue Militärkanzlei als Reaktion auf die Wiedererrichtung zahlreicher Bürgerkorps und Traditionsregimenter in den Nachfolgestaaten der Donaumonarchie nach dem Fall des Kommunismus ins Leben gerufen.

Die Militärkanzlei hat derzeit 38 Mitglieder aus Österreich, Tschechien, Ungarn, Polen und Italien – zum überwiegenden Teil Angehörige bestehender Traditionseinheiten.

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